klinische                                  Psycho-Neuro-Immunologie

Die Psychoneuroimmunologie ist ein interdisziplinärer Wissenschaftszweig, der sich im 20. Jahrhundert entwickelt hat und vom Forschungsinteresse her alle Lebewesen einbezieht. Wir beschränken uns hier allerdings aus praktischen Gründen auf den Menschen.

 

Das Wort "Psychoneuroimmunologie" ist schon recht lang, lässt aber den ganzen Umfang der Inhalte nur erahnen. Es geht in erster Linie um die Interaktion zwischen der Psyche, dem Nerven- und dem Immunsystem von Individuen, aber zugleich - da das eine nicht vom anderen zu trennen ist - um sämtliche denkbaren und sinnvoll annehmbaren Interaktionen zwischen den Organsystemen einer Person und ihrem Umfeld. Und das unter Berücksichtigung sowohl ihrer individuellen Geschichte von der Zeugung bis zum aktuellen Moment als auch ihrer Familiengeschichte.

 

Die Psychoneuroimmunologie integriert also die für das Verstehen von Gesundheit und Krankheit wichtigen wissenschaftlichen Erkenntnisse u. a. der Psychologie, der Neurowissenschaften, der Immunologie, der Endokrinologie, der Genetik, der Epigenetik, der Pharmakologie, der Biochemie, der Toxikologie, der Biologie - insbesondere der Molekularbiologie und der Evolutionsbiologie - der Epidemiologie, der Anthropologie, der Soziologie, der Psychiatrie, der Ernährungs- und Sportwissenschaften und weiterer medizinischer Disziplinen wie der Physiologie, der Pathophysiologie, der Onkologie und der Rheumatologie. Für all diese Forschungszweige stellt sie wiederum Material zur Verfügung.  

 

Während z. B. schon länger bekannt ist, dass sich die Immunsysteme von Personen mit psychiatrischen Diagnosen von den Immunsystemen gesunder Personen unterscheiden, werden die Forschungen des Psychologen Robert Ader, des Immunologen Nicholas Cohen und des Neurologen David L. Felten aus den 70-er und 80-er Jahren des 20. Jahrhunderts heute als bahnbrechend für die Psychoneuroimmunologie betrachtet. Ader und Cohen fanden heraus, dass das Immunsystem sich durch Reize konditionieren lässt, also über die Psyche ansprechbar ist. Felten fand Nerven, die direkt mit dem Immunsystem verbunden sind. "Psychoneuroimmunology", das frühe Standardwerk, herausgegeben von Robert Ader, erschien zum ersten Mal 1981. 

 

Die Arbeitsweise der Psychoneuroimmunologie ist interdisziplinär, eine Herangehensweise, die der bürokratischen Aufteilung der Disziplinen in der praktisch angewandten Medizin konträr gegenübersteht. Patienten gehen beispielsweise zum Allergologen, zum Psychologen oder zum Endokrinologen. Solche Bezeichnungen stehen auf den Schildern von ärztlichen Praxen, auch wenn deren Inhaber oft ein sehr viel breiter gefächertes Wissen haben. Zum Psychoneuroimmunologen kann man noch nicht offiziell gehen, aber immer mehr Ärzte, Heilpraktiker und Therapeuten anderer Disziplinen nutzen dieses Wissen in ihren Behandlungen. 

 

Die Entwicklung der klinischen Psycho-Neuro-Immunologie (kPNI) diente dem Ziel, die Erkenntnisse der Psychoneuroimmunologie für die ärztliche und therapeutische Praxis nutzbar zu machen, also interdisziplinäre Forschung über Gesundheit und Krankheit möglichst schnell aus den Universitäten und Labors über entsprechend ausgebildete Heilberufler zu den Patienten zu bringen. Dieser Aufgabe haben der Sport- und Ernährungswissenschaftler Bram van Dam (gest. 2008) und der Physiotherapeut und Physiologe Leo Pruimboom einen Großteil ihres Lebens gewidmet. Den Rahmen für ihre Arbeit hat die Natura Foundation geschaffen und gepflegt. Die Natura Foundation ist ein privatwirtschaftliches in den Niederlanden gegründetes und heute europaweit tätiges Wissens- und Ausbildungszentrum für kPNI und Ernährungsheilkunde. Es fungiert als Bindeglied zwischen Wissenschaftlern und ihren praxisrelevanten Arbeiten einerseits und Praktikern aus dem Gesundheitsbereich andererseits.