Paleo

Der Wortteil "Paleo" ist eine anglisierte Schreibweise für die aus dem Altgriechischen entlehnte Vorsilbe "Paläo". "Paläo" wiederum ist die Kurzform für "Paläolithikum", das die Steinzeit oder Teile der Steinzeit bezeichnet. Das war die Zeit, in der die Vorfahren des heutigen Menschen vornehmlich Steinwerkzeuge herstellten und verwendeten. Ihr Beginn wird datiert auf etwa 3,4 Millionen Jahre vor unserer Zeit.

 

"Paleo" wird derzeit gern als Ernährungs- und Lifestyle-Thema dargestellt. Auch ich benutze den Begriff gelegentlich zur Beschreibung von Leistungen meiner Praxis. Allerdings zu rein informativen Zwecken; schließlich gibt es auch viele hilfreiche und nützliche Dinge auf der Welt, die nicht "paleo" sind. Dennoch:

 

Eine moderne Hypothese über unsere Gesundheit besagt: Wir werden vor allem dadurch chronisch krank, dass wir uns seit der Steinzeit (teils sogar seit noch einigen Millionen Jahren mehr) genetisch betrachtet nicht oder kaum weiterentwickelt haben, aber uns heute aus verschiedenen Gründen nicht mehr ausreichend gemäß den Bedürfnissen unseres menschlichen Körpers und unseres ganzen menschlichen Seins verhalten. Einfach gesagt: Wir sitzen zu lange, wir essen zu schlecht, wir muten uns Belastungen zu, für die wir nicht gemacht sind.

 

Unsere Vorfahren waren täglich in Bewegung, sie aßen Pflanzen und Tiere nicht mit Zuckerguss oder Käsesauce, und ihre tages- und jahreszeitlichen Rhythmen waren eingetaktet in die Rhythmen der sie umgebenden Natur. Welche hochkomplexen und mächtigen Mechanismen wir in unserem Körper in Gang setzen, wenn wir zum Beispiel einen Dauerlauf machen, darüber ist heute bereits einiges bekannt.  Aber auch wenn die Medizin viel leistet: Noch können wir nicht zum Arzt gehen und ihn darum bitten,  unsere Gene so zu ändern, dass wir täglich 20 Stunden auf Basis einer "Cafeteria-Diät" (Teigwaren, Softdrinks, Wurstkonserven, Schokoriegel etc.) durcharbeiten können, ohne dabei krank zu werden. 

 

Wenn Gesundheit und Prävention Priorität haben sollen, lautet demnach das neue Ziel, die Elemente aus dem Leben unserer steinzeitlichen Vorfahren wieder in unsere Tagesabläufe einzubauen, die unsere Gesundheit, unser Wohlbefinden und unsere Fitness fördern. Die Wechsel von Anspannung und Entspannung, von Aktivität und Ruhe, von Essen und Abstinenz nutzen, um wieder ins Gleichgewicht zu kommen. Manchmal auch, unsere Arbeit, unsere Beziehungen, unsere Einstellungen, die harten wie die weichen Aspekte unseres Lebens in den Blick zu nehmen und zu entscheiden: Was darf bleiben, was muss her, was muss weg?

 

Die Paläo-Idee und die daraus erwachsenden Vorstellungen zur gesundheitsfördernden Lebensführung werden gelegentlich als vorübergehende Modeerscheinung oder als eine Diätform unter vielen dargestellt, und im Detail gibt es Diskussionen, was denn nun "paleo" sei und was nicht. Paläo im eigentlichen Sinne war jedoch der "Mainstream" über mehrere Millionen Jahre; es gab nichts anderes. Erst in der jüngsten Menschheitsgeschichte beobachten wir eine Aberration. Jetzt brauchen wir ein Wort wie "Paläo", um den alten Mainstream zu beschreiben. Jetzt haben wir "Zivilisationskrankheiten".

 

Inzwischen ist die akademische Wissensbasis über die Wirkungen einer Lebensweise, die sich an den Erkenntnissen der evolutionären Biologie orientiert, einer "Paläo"-Lebensweise also, durch Feld- und Laborforschung gut untermauert und wird ständig erweitert. Sie eröffnet Therapeuten wie Patienten erstaunlich vielfältige neue Handlungsspielräume. Der methodische Ansatz der klinischen Psycho-Neuro-Immunologie (kPNI), der in meiner Praxis erfolgreich als Leitfaden für Diagnose und Therapie dient, wird auch auf der Grundlage dieser Forschungen kontinuierlich weiterentwickelt.


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(erschienen in "Ratgeber Lifestyle" im September 2017)